Arbeiten im Pflegeberuf – Pflege heute

Der demographische Wandel und Fortschritte in Medizin und Medizintechnik haben zur Folge, dass sich auch die Pflegebranche weiterentwickelt und der Bedarf an professionellem Pflegepersonal wächst. Beide Trends werden von einer weiteren Entwicklung begleitet, die das schweizerische Gesundheitssystem vor grosse Herausforderungen stellt: der wachsenden Anzahl chronisch erkrankter Menschen. Die WHO schätzt, dass diese in Zukunft gegenüber den Akut-Erkrankungen 80 Prozent der Leistungen in der Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen werden. Der Pflegeberuf heute und morgen- hier im Fokus

Mit der wachsenden Zahl sehr alter Menschen gibt es ausserdem immer mehr Personen, die an Demenz- und Mehrfacherkrankungen leiden.

Es gibt also einen immer grösser werdenden Bedarf an Pflegekräften in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung, insbesondere aber in der Versorgung alter Menschen.

Die aufgezählten Tendenzen werden sich in den nächsten Jahrzehnten noch verstärken. Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung hängt daher immer stärker von einer qualitativ guten, professionellen Pflege ab. Für bereits in der Pflege Tätige oder solche, die es werden wollen, ergeben sich daraus neue Herausforderungen in Aus- und Weiterbildung sowie der Ausübung ihres Berufs, aber auch spannende Perspektiven für die Zukunft.

Pflege in der Schweiz – heute und in der Zukunft

Pflege in der Schweiz - heute und in der Zukunft

Pflege in der Schweiz – heute und in der Zukunft

Pflege heute – Gesellschaftliche Bedingungen

Der demographische Wandel, eine höhere Lebenserwartung sowie sinkende Geburtenzahlen, bedeuten für die Schweiz, dass die Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen wird, während die Zahl der Jüngeren und damit der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter abnimmt. Diese Entwicklung hat insbesondere Folgen für die pflegerische Versorgung der Gesellschaft und stellt das Gesundheitswesen vor Herausforderungen. Die äussern sich zum Beispiel darin, dass immer mehr ältere, körperlich und/oder geistig eingeschränkte Menschen von immer älterem Pflegepersonal versorgt werden.

So ist der wachsende Anteil der über 50-Jährigen in der Altenpflege auch in der Schweiz schon heute deutlich spürbar.

Pflege heute steht stets in engem Zusammenhang mit der Finanzierungsdiskussion – insbesondere wo es um Ansprüche an Qualität und Ganzheitlichkeit in der Pflege geht. Ganzheitlich ist Pflege nämlich nur dann, wenn beispielsweise dem Personal eines Pflegeheims genug Zeit für die Bewohner bleibt und wenn Patienten als Individuen mit Sorgen und Nöten sowie sowohl physischen als auch psychischen Belangen wahrgenommen und versorgt werden. Ganzheitlichkeit meint also, den Menschen als Ganzes zu erkennen und zu verstehen.

Um nun sicherzustellen, dass die Qualität der Pflege nicht durch Sparmassnahmen beeinträchtigt wird, achten verschiedene Institutionen auf die Entwicklung in der Betreuungsqualität und das Wohlergehen von Patienten und Bewohnern – darunter etwa der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK.

Die Betreuungsqualität in den jeweiligen Einrichtungen steht nämlich in direktem Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals.

Die Schweiz steht diesbezüglich im internationalen Vergleich recht gut da. Der enorme Druck, der aufgrund von Unterbesetzung in vielen Ländern auf in Pflegeheimen Tätigen lastet, ist noch nicht so stark. Die Arbeitsbelastung ist vergleichsweise gering und es bleibt mehr Zeit für die Pflege. Auch die Bezahlung ist hierzulande besser als in den meisten anderen europäischen Ländern.

Dass die Qualität des Schweizer Pflegesystems so gut ist, verdankt sie vor allem auch dem hier herrschenden Prinzip der Bezugspflege.

Hiermit ist eine ganzheitliche, individuelle Form der Pflege gemeint, bei der die Pflege eines Pflegebedürftigen oder Patienten von einer einzigen Bezugspflegekraft vorgenommen wird.

Ausbildung zum/zur Pflegefachmann/frau

Seit 2002 ist die Ausbildung zum/zur Pflegefachmann/frau in der Schweiz auf der Tertiärstufe angesiedelt und lässt sich entweder an einer Fachhochschule (FH) oder an einer Höheren Fachschule (HF) durchführen. In der westlichen Schweiz wird die Ausbildung hingegen nur auf FH-Stufe angeboten. Ausgenommen von dieser Regelung ist lediglich der französischsprachige Teil des Kantons Bern.

Die Ausbildungsgänge an HF und FH fordern unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen und Vorkenntnisse. Beide dauern jedoch drei Jahre und bereiten die Teilnehmer auf die professionelle Berufsausübung vor. Mit dem Diplomabschluss können die Absolventen in allen Bereichen der Pflege arbeiten.

Während für die Ausbildung an der HF und FH die Matura nötig ist, ist die Ausbildung zum/zur Fachangestellten Gesundheit auch ohne den Abschluss möglich. Fachangestellte Gesundheit sind in den verschiedenen Einrichtungen des Gesundheitssystems tätig und sind dort in der Regel dem diplomierten Pflegepersonal unterstellt.

Einige Schweizer Universitäten bieten darüber hinaus diverse Studiengänge in den Pflegewissenschaften an.

Arbeiten im Pflegeberuf – Vor- und Nachteile der Bezugspflege

Das Aufgabengebiet sowie die Verantwortung, die Schweizer Pflegefachkräfte in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit übernehmen, sind gross. In Abweichung zur gegensätzlich orientierten Funktionspflege bringt das Bezugspflegesystem mit sich, dass Pflegefachkräfte die volle Verantwortung für den Pflegeprozess tragen und dafür eng mit Ärzten sowie Therapeuten zusammenarbeiten.

Die Bezugspflegekraft arbeitet sehr eigenverantwortlich und verfügt in der Ausübung ihrer Tätigkeiten über viel Gestaltungsspielraum.

Dabei ist jedem Pflegebedürftigem eine Bezugspflegeperson zugeteilt, die alle pflegerischen Massnahmen durchführt. Eine Pflegeperson ist pro Schicht für vier bis sechs Patienten zuständig. Sie plant und kontrolliert Pflegemassnahmen und Therapien und berät zudem die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen. Hinzu kommen Tätigkeiten in der Ausbildung von Pflegekräften.

Die Bezugspflege bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Einerseits ermöglicht sie eine patientenzentrierte, individuelle und daher gut abgestimmte Pflege. Sie schafft Nähe zum Patienten und Vertrauen zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen.

Meist folgt daraus auch eine verbesserte Kommunikation und eine höhere Motivation und Zufriedenheit sowohl bei den Patienten als auch bei den Pflegefachkräften. Häufig lassen sich mit dieser Form der Pflege auch schneller Lösungen im Falle diverser Probleme finden.

Das liegt daran, dass die Bezugspflegekraft den einzelnen Patient kennt, über seine Krankengeschichte und auch persönliche Befindlichkeiten Bescheid weiß und diese Informationen an Ärzte und Therapeuten weitergeben kann.

Trotz der vielen offensichtlichen Vorteile hat das Bezugspflegesystem auch ein paar Nachteile. So führt die grosse Verantwortung häufig zu einer höheren Stressbelastung bei den Pflegepersonen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass die Pflegekraft die nötige professionelle Distanz zum Gepflegten verliert, wodurch es unter Umständen zu emotionalen Konflikten kommt. Ein damit einhergehendes Problem ist, dass es bei Konflikten zwischen Pflegekraft und Gepflegtem aufgrund der 1-zu-1-Zuteilung kaum Ausweichmöglichkeiten gibt.

Ein weiterer Nachteil der Bezugspflege sind die mit ihr verbundenen hohen Kosten und der hohe Personalbedarf. In Zeiten von Einsparungen und Kostendruck sowie einem allgemeinen Personalmangel kann die Bezugspflege daher auch in der gut aufgestellten Schweiz nicht immer zufriedenstellend umgesetzt werden.

Pflege heute – Typische Tätigkeiten, Aufgabengebiete

Pflege heute – Typische Tätigkeiten

Pflege heute – Typische Tätigkeiten, Aufgabengebiete

Pflege heute – Typische Tätigkeiten

Pflegefachkräfte sind sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich tätig, mögliche Arbeitgeber sind neben Krankenhäusern und Senioren- und Pflegeheimen auch Hospize oder ambulante Pflegedienste. In den Aufgabenbereich fallen die Pflege, die Betreuung und die Beratung des Patienten beziehungsweise Pflegebedürftigen sowie dessen An- und Zugehörigen.

Neben der Grundpflege ist die Pflegefachkraft für die allgemeine Unterstützung des Patienten zuständig, also beispielsweise in der Medikamentenzuteilung, der täglichen Verpflegung und der Lagerung in Bett oder Rollstuhl.

Ärztliche Anweisungen werden in Eigenregie durchgeführt, ausserdem misst die Pflegefachkraft Blutdruck und Temperatur sowie Puls und Atmung und verabreicht Infusionen. Kommt es zu Verletzungen, liegt auch die Wundversorgung in ihrem Aufgabenbereich. Weiter sind Pflegefachkräfte dafür ausgebildet, verschiedene medizinische Geräte, beispielsweise Beatmungsgeräte, bedienen zu können.

Darüber hinaus übernimmt die Fachkraft die selbstständige Dokumentation des Pflegeprozesses und beurteilt auf dieser Grundlage den Erfolg der durchgeführten pflegerischen Massnahmen. Ausserdem unterstützt sie beim Austausch mit der Krankenkasse oder dem Medizinischen Dienst der Krankenkasse, beispielsweise wenn es um die Feststellung der Pflegebedürftigkeit geht.

Herausforderungen in der Pflege

Wer sich für eine Arbeit als Fachkraft in der Pflege interessiert, sollte neben den in der Ausbildung vermittelten Fachkenntnissen gute soziale sowie personale Kompetenzen mitbringen.

Gerade in der Alterspflege sind im Umgang mit hilfsbedürftigen und unter körperlichen Schmerzen leidenden Menschen Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt, auch wenn einmal die Zeit drängt oder der nächste Patient ruft.

Neben den sozialen sind auch kommunikative Fähigkeiten ein wichtiges Werkzeug. Da Pflegefachkräfte Delegationsverantwortung für eine Reihe an Fachpersonen (Fachpersonen Gesundheit, Assistenzpersonen Gesundheit und Soziales sowie Pflegeassistenten) haben, gehören auch Führung und Organisation zu den zentralen Kompetenzen.

Ein grundlegendes Interesse an medizinischen und pflegerischen Aufgaben sollte vorhanden sein, um eine Tätigkeit in der Pflege auszuüben. Eine gewisse psychische Belastbarkeit gehört aber ebenfalls zum Anforderungsprofil, um den täglichen Herausforderungen der Arbeit als Pflegefachkraft gerecht zu werden.

Weitere grundlegende Fähigkeiten sind eine ausgeprägte Teamfähigkeit sowie die Fähigkeit, eigenständig zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen.

Da Überstunden im Pflegebereich keine Seltenheit sind und Patienten und Pflegebedürftige auch nachts und am Wochenende versorgt werden müssen, gehört auch die Bereitschaft zu längeren Arbeitszeiten, Wochenendarbeit sowie Arbeit im Schichtbetrieb zu den Anforderungen für den Pflegeberuf.

Perspektiven für Pflegekräfte

Trotz der steigenden Anzahl der Pflegebedürftigen, entscheiden sich immer weniger Schweizer für das Erlernen eines Pflegeberufs – und das obwohl das Berufsbild zahlreiche Möglichkeiten bietet, sich zu spezialisieren und weiterzubilden.

Diplomierten Pflegefachpersonen, die ihre Ausbildung an der Höheren Fachschule abgelegt haben, sind beispielsweise auch wissenschaftliche Karrieren sowie Tätigkeiten im Management- oder Bildungsbereich möglich.

Der Mangel an qualifizierten Pflegekräften hat dazu geführt, dass ausgebildete Pflegefachpersonen in der Schweiz zu den meistgesuchten Fachkräften gehören. Die Arbeitsmarktlage ist also gut, viele offene Stellen sorgen dafür, dass gut ausgebildete Kräfte sich ihren Arbeitgeber aussuchen können.

Pflege 4.0 – Digitalisierung als Chance für die Pflege

Pflege 4.0 – Digitalisierung als Chance für die Pflege

Digitalisierung und Pflege: Zum Beispiel bei der Personalplanung (Management von Personalressourcen) oder pflegebedürftige Menschen, die befähigt werden, wieder selbstbestimmter zu leben.

Pflege 4.0 – Digitalisierung als Chance für die Pflege

Um die Pflegekrise abzuwehren, werden immer wieder verschiedene Massnahmen vorgeschlagen, die sich letztlich auch auf den Pflegeberuf auswirken würden.

Ein vielversprechender Ansatz liegt diesbezüglich in den Unterstützungspotenzialen digitaler Lösungen.

Diese sollen pflegebedürftige Menschen befähigen, wieder selbstbestimmter zu leben, und Pflegende bei ihren Tätigkeiten entlasten. Digitale Anwendungen können bei körperlich anstrengenden Verrichtungen und Routinetätigkeiten unterstützen oder Monitoring-Funktionen übernehmen. Teilweise schon eingesetzt werden beispielsweise Informations- und Kommunikationstechnologien in Form elektronischer Patientenakten oder in der Pflegedokumentation sowie eine vernetzte Leistungsabrechnung. Auch digitale Monitoringsysteme sowie der Einsatz von Robotern in Service, Transport und Therapie sind denkbar.

Während manche Technologien in der Praxis schon eingesetzt werden, befinden sich viele digitale Anwendungen noch in der Entwicklungs- oder Testphase.

Ob die Digitalisierung von Pflegeprozessen, auch Pflege 4.0 genannt, hilft, die Pflegenden wirklich zu entlasten, wird sich erst dann herausstellen, wenn digitale Lösungen breitere Anwendung finden.

Die Hoffnung ist, dass insbesondere intelligente Robotik körperliche Tätigkeiten wie das Heben und Tragen von Patienten sowie das Laufen längerer Strecken vereinfacht.

Wahrscheinlich ist aber auch, dass die eingesparte Zeit in neue Aufgaben fliessen würde.

In jedem Fall stellt die Entwicklung eine Herausforderung für die in der Pflege Beschäftigen dar. Digitalisierung in der Pflege kann deshalb nur dann gelingen, wenn Pflegende – und auch Einrichtungen – auf dem neuesten Stand bleiben und bereit sind, sich neues Wissen in Sachen Digitalisierung und Vernetzung anzueignen.

© Berufliche-Neuorientierung.ch – 9.3.2020 (ar)

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